Dieses Buch skizziert das Hamburger Rotlichtmilieu auf St. Pauli in den 70er und 80er Jahren aus der Sicht einer ehemaligen Zivilstreife.

Meine Davidwache - Geschichten vom KiezEin Buch von Waldemar Paulsen, pensionierter Polizist und ehemalige Zivilstreife auf St. Pauli. Auf 252 Seiten skizziert er den Kiez, wie man ihn nur noch in Geschichten von in die Jahre gekommenen Paulianern oder eben solchen Bücher vor Augen geführt bekommt.

Auf dem Kiez der 70er und 80er Jahre tummelten sich Luden, Prostituierte und Stars aus Film und Fernsehen. Darunter: Lamborghini-Klaus, der schöne Mischa, „Frieda“ Schulz, Udo Lindenberg, Ritze-Wirt Hanne Kleine, Stefan Hentschel und Deutschlands bekannteste Prostituierte Domenica, die später als Sozialarbeiterin wirkte.

Paulsens Buch schafft es, den Leser in den Bann des Rotlichtmilieus zu ziehen. Es erzählt wie der Kiez war und sich veränderte. Besonders spannend fand ich auch die Passagen, die auf dem Hamburger Berg spielten. Damals noch übersät mit üblen Absteigen und besucht von gesellschaftlich Verstoßenen , heute ein Treffpunkt der Hamburger Studentenszene.

Aufstieg der GMBH

„Frieda Schulz hatte sich bis Anfang der achtziger Jahre weitgehend aus dem Milieu zurückgezogen, und es gab niemanden, der das Vakuum, das der Pate hinterließ ernsthaft ausfüllte. Es begann die Ära der Rotlichtkartelle. Vier junge Männer waren bereits in den siebziger Jahren ein Zweckbündnis eingegangen, das sich die GMBH nannte und das Anfang der achtziger Jahre auf dem Kiez zum ersten großen Zuhälterkartell aufstieg. Die Abkürzung  – eine Zeitung verballhornte sie später einmal als „Gesellschaft mit bereitwilligen Huren“ – setzte sich aus den Anfangsbuchstaben der vier Hauptakteure zusammen: Gerd Glissmann, war zuständig für die Finanzen, Michael Luchting „der schöne Mischa“ genannt war der Chameur, der die Frauen anwarb und betreute, Walter „Beatle“ Vogeler war für die Ordnung und für strategische Fragen zuständig, und Harry Voerthmann, genannt „der Hundertjährige“, kümmerte sich um die Immobilien. Ihr Hauptquartier war ein Clublokal in der Silbersackstraße 3, unterhalb der Absteige, die sich in der ersten Etage befand. (…)“

Über Waldemar Paulsen:

„1972 begann ich meinen Dienst in der Davidwache. Die Mannschaft war 126 Beamte stark. Im selben Jahr wurde mein Sohn geboren. Bereits 1970 wurde im Wachraum der Davidwache mein Kollege Uwe Kraak erschossen, ein weiterer Kollege mit einem Beinschuß schwer verletzt. Trotz allem war ich neugierig auf diese Welt da draußen, die Parallel- Welt St. Paulis, die nirgendwo facettenreicher ist als an solchen Orten. Wie war der Umgang der Halbwelt, der Milieu- Personen mit den “Soliden”, wie sie im Milieu bezeichnet wurden? Ich wollte es kennen lernen.“

Die Bildern zum Buch

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One thought on “Buch-Tipp: Meine Davidwache – Geschichten vom Kiez”

  1. ab sofort ist mein St. Pauli- Krimi als eBook im Handel für 8,99 € zu erwerben.
    Er beschreibt die Siebziger des vorigen Jahrhunderts, den Umgang der Zuhälter mit den jungen Mädchen, die sie als Geldmaschine benutzen und die Konfrontation zwischen den Luden und der Kiez- Polizei.
    Waldemar Paulsen

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