Robin Island

Kneipentour durch Rothenburgsort

Wer sich auf eine Kneipentour nach Rothenburgsort begibt, sollte rechtzeitig starten. Denn die dort angestammten Eckkneipen schließen auch wochenends kurz nach Mitternacht.

Rothenburgsort ist meiner Meinung nach besser angebunden, als der Vogelhüttendeich in Wilhelmsburg. Nur zwei S-Bahn Stationen trennen diesen Stadtteil vom Hamburger Hauptbahnhof – gerade einmal sechs Minuten Fahrzeit. Doch die Szene-Entwicklung ist hier noch nicht eingetroffen. Betrachtet man das Rothenburgsorter Nachtleben, dann tut sich nicht viel. Gerade einmal vier Kneipen stehen auf unserem Tour-Zettel:

Helle’s Treff  – rauhe Scherze, herzallerliebste Gesellschaft (Tiedingreihe 5)
Helle's TreffAls wir die Kneipe betreten werden wir erst wortlos angeguckt und dann nach und nach begrüßt. Wir sitzen am Dart-Stammtisch, zumindest dem riesigen Aschenbecher zufolge, der in der Mitte des Tisches wie festgemeißelt erscheint. Eine Dartscheibe ist nirgends zu sehen. Es ist neun Uhr, die Tresenplätze sind zur Hälfte gefüllt. Vier Daddelautomaten blinken im Takt, die bunten Lichterketten über den Tresen schließen sich unrhythmisch an. 

„Heute ist Valentinstag! Wir haben für Ladies deshalb Cocktails im Angebot… die Namen fallen mir gerade nicht ein, die sind so schwierig. (Denkpause). Pina Colada, Swimmingpool und einer mit ganz viel Alkohol.“ Wir bestellen sechs Pils vom Fass, die ruck-zuck vor uns auf dem Tisch stehen. Ein Daddelautomat wird in Betrieb genommen. Er soll bis zu unserem Weiterziehen nicht mehr ungenutzt sein. 

Viertel vor zehn: Die Ersten singen zu den Songs aus den 60er, 70er und 80er mit. Eine ältere Frau tanzt mit einem jüngeren Mann – Alter scheint in Helle’s Treff sowieso irrelevant. Die Menschen kennen sich und scheinen regelmäßig hier in ihrer Stammkneipe zu sein. Es fühlt sich nicht so an als sei man in Hamburg. Helle’s Treff könnte auch eine X-beliebige Eckkneipe im Ruhrpott oder im Osten Deutschlands sein. Klischeehaft? Ja. Liebenswert? Auf jeden Fall. Öffnungzeiten: Auch bis nach Mitternacht.

Robbie’s Island – Glück mit Losen (genaue Adresse nicht geklärt)
Ein leichtes Diner-Feeling beschleicht uns, als wir in Robbie’s Island auf ein Bier hereinschauen. Der Tresen rot, im amerikanisch angehauchten Stil. Die Tische schlicht, teils mit Tischdecken. Am Tresen sitzen zwei Gäste. Ansonsten scheint es ein bisher ruhiger Abend gewesen zu sein. Abgesehen von den hysterischen Kläffattacken des kleinen Kneipen-Hundes, sobald ein Mensch an der Bar vorbei läuft.

Der Besitzer setzt sich zu uns an den Tisch und fragt uns woher wir kämen. Er sei immer interessiert daran, wenn Fremde seinen Laden aufsuchen würden. Wir klären in auf: drei wohnhaft in Rothenburgsort, eine wohnhaft in Kiel und eine wohnhaft auf St. Pauli. Es fließt eine Runde Flaschenbier. Dazu kaufen wir Tombola-Lose, die die Chance auf Kleinpreise und Getränke-Boni geben. Ein ulkiges Konzept – für uns nur leider mit Pech behaftet. Keiner gewinnt. Zufall?

Chaplin – zwischen Senioren und Rothenburgsorter Inn-Treff (Rothenburgsorter Marktplatz)
Freitagabend – es ist zehn vor zwölf. Als wir die Tür zum Chaplin durchschreiten, werden wir gleich wieder raus geschickt: Die Bar sei bereits geschlossen.
Eine Freundin erklärt mir, dass sich hier die Senioren zum Mittagessen träfen und abends das Chaplin eine Mischung zwischen Restaurant und Bar sei.

Zur Mühlenklause – Weltenbummler-Flair zur späten Stunde (Billhorner Mühlenweg 26)
Die Mühlenklause liegt gleich neben dem Elbbrücken Hotel. Als wir hier gegen 20 nach zwölf eintrudeln, schnappe ich zuerst englische Phrasen auf. Ein Tisch ist rundum besetzt mit britischen, jungen Touristen. Am Tresen sitzen zwei ältere Herren. Einer behält uns während unserers Aufenthalts in der Mühlenklause stetig und starrend im Auge. Eine weitere englisch sprechende Truppe stellt sich zum Dart spielen auf.

Die Decke hängt voll mit maritimen Relikten und das hölzerne Interieur unterstreicht die Gemütlichkeit. Die Bedingung hingegen ist fast abweisend kühl. Eine weitere Runde Bier fließt und dann bereiten wir der Kneipen-Tour ein Ende. Teils aus Müdigkeit, teils aus Mangel an geöffneten Kneipen.

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maedchenfuerallefaelle

Online-Redakteurin & Digitales bei selbstständig
(28, Mensch, beruflich digital unterwegs)
Seit 2012 schreibe ich hobbymäßig dieses Blog über Hamburg mit Tipps zu Restaurants, Bistros, Cafès, Läden, Clubs und mehr. Ich schreibe über das was mir begegnet und wo mein Leben mich so hintreibt. Nicht mehr, nicht weniger. Ohne Ziel.
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