Indien: 50 Grad plus

Om Kar Kahn, 27, kocht bereits seitdem er stehen kann und schwingt heute die Topfzange in einer kleinen Küche im Gästehaus “Shahi Palace” in Jaisalmer (Indien). Er ist ein fröhlicher Mensch, der andere begeistern kann. Doch hinter der Fassade verbirgt sich ein zwiegespaltener Charakter, der nicht mehr in allem mit den indischen Traditionen übereinstimmt.

Jaisalmer---Om-Kar-Kahn

Immer am singen: Koch Om Kar Kahn.

Om Kar summt eine Melodie und lässt die Worte “Sorry, sorry, sorry” singend hineinfließend. Mehr Text zum Lied kennt er nicht.

Ich linse um die Küchenecke und Om Kar winkt mich hinein: „Ich habe alles vorbereitet, meine Freundin. Komm ich zeige dir, wie du ein Wüsten-Curry zubereitest.“ Auf einem rotem Plastikbrett liegen zerhackte Knoblauchzehen und klein geschnittene Okraschoten. Der kleine Inder bückt sich und wühlt in einer großen, durchlöcherten Kiste nach Zwiebeln und schneidet diese nach dem Pellen in grobe Ringe. Dann stellt er einen großen Blechtopf ohne Henkel auf die Flamme und rückt ihn mit einer Zange zurecht: „Der Topf wird schnell heiß, ohne Zange wird das Kochen nichts.“ Er wirft alle Zutaten ins zischend heiße Öl und gibt ganzen Kreuzkümmel hinzu.

Mitte Mai wird Om Kar heiraten. Es wird eine arrangierte Hochzeit sein. Die Familie wünscht es so. „Wenn die Familie glücklich ist, bin ich es auch“, erklärt Om Kar wenig überzeugt, „In Indien heiratet man früh. Ich bin schon recht alt. Doch meist bekommen die früh verheirateten später Eheprobleme. Es ist also nicht immer gut so früh zu heiraten.“ Seine eigene Braut wird 21 Jahre jung sein, erzählt er. Bisher habe er sie nur verschleiert gesehen. Er hofft, dass sie schön ist.

Der Blick aus der Küche.

Der Blick aus der Küche.

In den ersten Jahren werden wir Kinder bekommen. In Indien steht ein Ehejahr für ein Kind. Fünf Ehejahre bedeuten also fünf Kinder. Wenn die Kinder dann verheiratet sind, bin ich selbst wieder frei. Deshalb ist es wichtig die eigenen Kinder früh zu verheiraten, damit man sie sicher versorgt weiß, wenn einem selbst etwas zustößt. Und man selbst wieder ungebunden ist… seine Pflicht getan hat.“

Om Kar gibt die Okraschoten in den Topf und lässt das Curry schmurgeln. „Kannst du meinen ausländischen Freunden eine Hochzeitseinladung per Mail senden?“, fragt er mich und zieht einen Stapel Visitenkarten aus seiner Hosentasche. „Ich weiß nicht, was von dem Geschriebenen die E-Mail-Adressen sind. Ich kann eure Schrift nicht lesen.“ Ich verspreche es ihm.

Schwungvoll zieht Om Kar einen weißen Beutel aus dem Gefrierfach: „Kennst du eigentlich die Rajasthanische Joghurtsauce?“ Ich schüttle den Kopf. „Komm ich zeig dir wie man sie kocht.“ – “Sorry, sorry, Sorry” und dann die Melodie.

Am Abend sitzen wir beisammen und Om Kar reicht mir eine Tasse Chai. Ich sage „Danke!“. Er erwidert: „Freunde brauchen nicht Danke zu sagen.“ und setzt sich in die Abendsonne neben mich.

  • Rezept: Okraschoten-Curry
  • Rezept: Rajasthanischen Joghurtsauce

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