Foto: Benjamin Kaltenhauser

Gegen Nazis – Naziaufmarsch in Hamburg

Proteste gegen Naziaufmarsch in Hamburg. Rechte müssen warten und die Route ändern. Mülltonnen wurden in Brand gesteckt und Kartoffeln, Steine und Tomaten als Wurfgeschosse eingesetzt.

Letzten Samstag war ich in Wandsbek an der Route der Nazis. Nachdem wir zwei Stunden gewartet hatten, kam die Durchsage der Routenänderung. Kurzerhand die Schuhe geschnürt und unzählige Polizeiblockaden umrundet. Von meiner Gruppe getrennt, folgte ich den voll ausgerüsteten Polizisten, mit dem Gedanken: “Wenn die hier so ruhig in Reih und Glied marschieren und abgezogen werden, sind die Nazis schon über alle Berge.”

Hundert Meter weiter stutzte ich. Eine schwarze Truppe mit ca. 400 Leuten umkeilt von Polizisten stand drei Meter vor mir. Kein vor und zurück. Die vereinzelt eintreffenden Demonstranten wurden gebeten auf der Wiese gegenüber Stellung zu beziehen. Die Hauptgruppe der Demonstranten wurden hinter einer Bahnunterführung mit Wasserwerfern in Schach gehalten. Ich ging über die Wiese an zirka 150 Polizisten vorbei. Sauber in Reih und Glied gestellt, ausgerüstet mit Knüppeln, Schockpistole und Gasflaschen. Stets auch mit dabei, die Polizei interne Kamera. Mein Ziel: der Musikwagen, der komischer Weise zu diesem Zeitpunkt Bob Marley spielte. Ein einbrennendes Bild. Parole schreiende Nazis, konternde Antifa, unzählige Polizisten und Bob Marley.

“16.30 Uhr: Die Neonazis stecken in der Hasselbrookstraße (Ecke Peterskampweg) fest. Alle Nebenstraßen sind von Gegendemonstranten blockiert. Die Rechten sind jetzt eingekesselt. Die Polizei will die Blockade am Peterskampweg räumen, setzt Wasserwerfer ein. Aber es geht nur langsam voran.” (Liveticker, Hamburger Morgenpost).

Neue Demonstrationsarten begegneten mir in Form von Hullahup und Seifenblasen, die Flower Power der heutigen Zeit. Nach einer Stunde setzte sich der Nazitrupp in Bewegung. Zirka 300 Gramm schwere Kartoffeln fliegen durch die Luft, Antifa antwortete mit Tomaten. Ich trage bewusst nicht komplett schwarz und vermumme mich auch nicht. Mein Zeichen nicht gewaltbereit zu sein. Vielleicht konnte ich deshalb einfach so  durch die Polizeireihen spazieren. Ich möchte Gewalt nicht mit Gewalt beantworten. Auch möchte ich keine Parolen schreien wie “Nazis raus aus Deutschland.”, denn dadurch würde ich selber zum Nazi werden und Gleiches mit Gleichem beantworten. Aber ich zeige Präsenz und dadurch meine Meinung: “GEGEN Nazis”.

Doch jedem stehen folgende Rechte zu, auch Neo-Nazis. Ob wir es gut heißen oder nicht:

“Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.” (Artikel 5, Grundgesetz)

“Alle Deutschen haben das grundsätzliche Recht, sich “ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Für Versammlungen und Demonstrationen unter freiem Himmel gilt nach dem Versammlungsgesetz zusätzlich: Sie müssen bei der Ordnungsbehörde (Polizei) angemeldet werden und die Demonstrationsteilnehmer dürfen sich nicht uniformieren oder vermummen. Gegen das polizeiliche Verbot einer Demonstration können Rechtsmittel eingelegt werden.” (Artikel 8, Grundgesetz)

Im Nachhinein erzählte man mir, dass viele der Nazis wohl aus Dänemark waren. Das war für mich ein gutes Zeichen, denn wir müssen für einen Naziaufmarsch in Hamburg augenscheinlich schon Nazis importieren. Ich schätze in Dresden oder Leipzig sieht das leider noch anders aus.

Neun Stunden war ich auf den Beinen, um meine Meinung zu vertreten. Zurück auf St. Pauli kam die Müdigkeit und die Verarbeitung der Eindrucks-Flut. Brennende Mülltonnen, marschierende Nazis, vermummte Antifa. Kartoffeln, Tomaten, Wasser. Polizisten, die an vielen Stellen auch überreagierten. Der erste Naziaufmarsch, bei dem ich direkt vor Ort war. Sicher nicht der Letzte.

Eindrücke vom Naziaufmarsch am 2.6 in Wandsbek, Hamburg. Fotos von Benjamin Kaltenhauser.

Weitere Bilder findet ihr bei diesem jungen Fotografen. Klick hier.

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Foto: Benjamin Kaltenhauser

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