Die Wohlwillstraße

Wohlwillstraße

Jeder kennt sie, auch wenn Viele sie nicht beim Namen nennen können: Die Straße, die man nachts durchläuft, wenn man betrunken von der Schanze zum Kiez wankt. Die Straße mit der Kleinen Pause. Ach, die Straße… genau, die Wohlwillstraße.

Die Wohlwillstraße: ein Stück St. Pauli – irgendwie

Doch sie ist mehr als nur eine Durchgangsstraße. Bleibt man stehen oder schaut gelegentlich nach links oder rechts ist sie reichlich verziert mit Cafés, Restaurants und Einzelhändlern. Hier begegnet man jungen Vätern, die ihre Kinder  mit dem Fahrrad zur Kita bringen. Hier lehnt sich regelmäßig eine ältere, stark übergewichtige Frau aus dem Fenster und fragt die Passanten, ob sie ihr von der Bäckerei nebenan ein Stück Kuchen bringen könnten. Hier raunt die Blumenfrau die Passanten eisig von der Seite an. Hier ist Alltag, hier ist Leben – hier ist ein Stück St. Pauli, irgendwie.

Am Anfang steht ein Vinyl-, vor Kopf ein Feinkostladen

Doch beginnen wir vorne mit dem Teilstück zwischen Clemens-Schulz-Straße und Paulinenplatz: 

Vor Kopf der Wohlwillstraße ist unter der Anschrift Clemens-Schulz-Straße 55 das Delikat St. Pauli zuhause. Das Feinkostgeschäft sorgt für Tante Emma Flair auf dem Kiez und bietet Anwohner wie Passanten allerlei Köstliches an: Käse, Brot, Wein, Honig, Senf, Wurst u.v.m.

Schräg gegenüber in der Wohlwillstraße Nr. 1 ist das St. Pauli Tourist Office anzutreffen, in dem Interessierte Touren mit versierten Anwohnern buchen können. Denn nur wer den Kiez kennt und liebt kann ihn auch erklären. In den zugehörigen Kellerräumen des Hauses ist der Plattenladen Back Records zu finden. Ein Laden in dem man entspannt die Vinyls durchstöbern kann.

Auf der gegenüberliegenden Straßenladen eröffnet die 3 Freunde Bar die Wohlwillstraße. In meiner Erinnerung hat sich diese von der soliden Cocktailbar zur Anlaufstelle für Highclass-Cocktails und Trinkinnovationen gemausert. Heute wechselt die 3 Freunde Bar regelmäßig ihre Cocktailkarte und überrascht immer wieder mit neuen Kreationen.

Wenige Häuser weiter bietet der Art Store St. Pauli seit 1990 moderne Kunst zum Kauf an und präsentiert in kurzen, wechselnden Ausstellungen die Werke von seinen Künstlern. Wer sich für Kunst interessiert kann hier unverbindlich einen Blick hineinwerfen.

Gleich gegenüber wird der Wunsch nach optischer Veränderung realisiert. Wer eine neue Frisur wünscht, kommt sicher im Wohlschnitt zu einer passenden Haarpracht. Die Markise erinnert an die 1950er Jahre, doch die Beratung und der Schnitt sollen mehr als modern sein, wie mir eine Freundin regelmäßig berichtet und vorführt. Irgendwann schaffe ich es auch mal dorthin.

Gegenüber liegen gleich drei super Läden nebeneinander: Suicycle ist die Anlaufstelle für Radrennfahrer und den Wehwehchen ihrer Lieblinge. Doch auch null-acht-fuffzehn Räder werden hier auf Anfrage fachmännisch versorgt. Im nebenan liegenden Kandy Shop gibt’s neben Süßem auch Frühstück und tollen Kaffee. Da der Laden echt winzig ist, gibt’s den Kaffee auch to go. Zum Beispiel, wenn man auf dem Weg zur samstäglichen Flohschanze ist. Wer etwas länger rasten möchte, kann in das Kaffee Stark schluppern. Morgens bieten die Frühstücksvariationen reichlich Vielfalt, vom bunten Frühstücksbrett mit Käse und Wurst bis hin zum rein veganem Angebot. Nachmittags kann bei einer guten Kuchenauswahl pausiert werden, des Abends bieten Longdrinks und Bier die Möglichkeit zur Rast.

In der angrenzenden Jägerpassage gaben sich in den 60er Jahren bereits die Beatles die Klinke in die Hand. Hier entstand das berühmte Bild vom im Türrahmen lehnenden John Lennon. Heute sind die backsteinernden Terrassenhäuser unter anderem Sitz des 1989 gegründeten und autonomen Wohnprojekts Initiative Jägerpassage e.V. , das sich zur damaligen Zeit gegen den Abriss und für den Erhalt des südlichen Terrassenhauses einsetzte und dies gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt auch erreichte. Zum Teil in Eigenleistung wurden das Haus jahrelang in Schuss gebracht und beispielsweise erst  1996 mit einer Zentralheizung ausgestattet. Heute leben rund 30 Personen in dem selbst verwalteten Gebäude.

Der Thailänder Mr. Dam ist seit Ende 2014 wieder in der Wohlwillstraße ansässig. Bereits in den frühen 2000er war das Bistro dort vertreten, zwischenzeitlich fand es seine Stätte jedoch neben der Filiale in Ottensen, im Karoviertel. Wer etwas Herzhaftes zu sich nehmen möchte, kann hier auf Pad Thai und Co. zurückgreifen. 

Das Geschäft Ancoore lockt mit einem bunter Mischung an hübschen Dingen zur Wohnungsgestaltung. Von Lampen über Möbel bis hin zu Bildern und textilen Schmuckstücken lädt der Laden zum Stöbern ein.

Wohlwillstraße: Vom Bioladen bis zur Kleinen Pause

Linst man am Paulinenplatz etwas über die Straßengrenze findet man unter der Anschrift Brigittenstraße 1 den Bioladen „Herr von Grün. Bis 2014 von Holger Breitenfeld geführt, übergab er den Laden an Svenja Schenk , die ihn in „Herrin von Grün“ umbenannte. Ihn selbst zog es nach Marmstorf, wo er den Fischladen „Herr Fischer“ eröffnete. Doch der Bioladen hat seither nicht an Charme eingebüßt und bietet weiterhin ein gut ausgewähltes Sortiment an Lebensmitteln und auch Naturkosmetik. Hier gibt’s frisches Brot, Bio-Tees, Gemüse, Leberwurst und Vieles mehr. 

Gleich nebenan ist der Italiener „Rocco„. Im Sommers flanieren die Servicekräfte auf dem Gehweg und locken Passanten mit „charmanter“ Ansprache ins Restaurant. Manch einer fühlt sich davon geschmeichelt und lenkt ein, andere gehen genervt weiter. Insgesamt spaltet der Italiener die Gemüter: die Einen zählen ihn zu den Besten weit und breit, die Anderen finden ihn zu laut und zu voll. Reine Geschmacksfrage.

Angenehm frei Schnauze geht es in der Kleinen Pause zu. Die Anlaufstation für nächtliche Burgergelüste bietet ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Nur eine Fettphobie sollte man beim Besuch nicht vorweisen. Knusprige Pommes, löffelweise Mayonnaise und Burger in diversen Größen laufen hier rasant über den Tresen und füllen die Mägen der Nachtschwärmer. Nebenan, im später eingerichteten Ableger der Kleinen Pause, gibt’s Eis. 

Auch Musiker fühlen sich in der Wohlwillstraße gut aufgehoben: die schwedische Band „Friskar Viljor“ widmet der Straße einen Song.

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Der dritte Teil: Caffe Latte und türkische Kost

Na und?! Bis vor einem Jahr wusste jeder, dass mit diesem Ausruf die Kneipe in der Wohlwillstraße gemeint war. Leider musste sie nach 30 Jahren aus gesundheitlichen von Wirt Klaus Scharf geschlossen werden. Seither ist dort die etwas schickere The Walrus Bar anzutreffen.

Das Caffe Latte serviert guten Kaffee bereits ab 8:30 Uhr morgens. Auf St. Pauli so früh eher unüblich. Dazu kann man wunderbar frühstücken, auch vegan, oder nachmittags tollen Kuchen schnabulieren. Und das auch alles noch in gemütlicher Atmosphäre. Ein gelungenes Rundumpaket.

Die Kellerbar Eldorado ist eine beliebte Anlaufstelle für St. Paulianer, quasi ein zweites Wohnzimmer.  Hier trifft man sich zum gemütlichen Bier trinken und schnacken. Für mich stellt sie sich die Kneipen-Bar in eine Reihe mit dem Sorgenbrecher oder dem Komet.

Stern Keb’Up ist für seinen guten Döner bekannt. Sogar Johannes Oerding preist den Laden immer mal wieder als seinen Liebling an. Einer der zwei Kioske nebenan bietet für den Durst danach eine größere Auswahl an Matetees an. Hier findet man nicht nur die obligatorische Club Mate, sondern auch MioMio, Flora Power und Weitere.

In dem Eck-Italiener Trattoria di Mario war ich selbst noch nicht essen. Mir wurde jedoch berichtet, dass sich im Keller eine Kegelbahn befindet, die auf Wunsch bespielt werden kann. Auch mal eine gute Abendunterhaltung: italienisches Essen und kegeln.

Ein eigenwilliges Einzelhandelsgeschäft ist der gegenüber liegende Blumenladen „Eisblume„. Mal war hier ein Blumenladen, dann ein Eiscafè und dann wieder ein Blumenladen. Die Besitzerin ist eine Note für sich und ordentlich launisch. Mal grüßt sie freundlich, ein anderes mal wird man von der Seite regelrecht angeraunzt. Irgendwie eine spannende Mischung, die allerdings weniger zum Kauf animiert.

Das Ende der Wohlwillstraße bildet das Bistro Mr. Kebab. Nach der Renovierung im Jahr 2011 verwandelte sich das türkische Bistro optisch in ein kleines Schmuckstück. Auf gemütlichen Bänken, kleinen Stühlen und Hockern sitzen die Besucher in einem nett dekoriertem Speiseraum. Und auch kulinarisch bietet Mr. Kebab weit mehr als nur Döner. Hier gibt’s Falafelteller, Sigara Böregi, gefüllte Aubergine, Moussaka, Köfte und wechselnde Tagesgerichte.

Tipp für die Seitenstraße: Der Riders Room in der Thadenstraße bietet seit 1995 alternative Herrenbekleidung und Equipment für Motorradbegeisterte in sehr guter Qualität. Auch Frauen werden hier fündig, allerdings nur bei der Schuhauswahl. 

*kein Anspruch auf Vollständigkeit

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maedchenfuerallefaelle

Online-Redakteurin & Digitales bei selbstständig
(28, Mensch, beruflich digital unterwegs)
Seit 2012 schreibe ich hobbymäßig dieses Blog über Hamburg mit Tipps zu Restaurants, Bistros, Cafès, Läden, Clubs und mehr. Ich schreibe über das was mir begegnet und wo mein Leben mich so hintreibt. Nicht mehr, nicht weniger. Ohne Ziel.
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