Kneipen: Eine Mutter zum Sorgen brechen

Kneipen und Bars  gibt es in Hamburg für jeden Typen. Burlesque Fans finden ihr Getränk im Queen Calavera. HSV Fans trifft man direkt nebenan im Sportpub Tankstelle. Strahlendes blau-weiß demonstriert, dass hier einer der zwei Hamburger Fussballfan-Gemeinschaften Zuhause ist. Pauli Fans treffen sich im Jolly Rogers. Mittwoch abends tanzt die kleine Meute in Rosis Bar. Vorne rustikal-urig, hinten überraschend hell und clean im Ambiente. Die Sünde  ist bei weitem nicht so sündhaft wie ihr Name verspricht, sondern recht gemütlich, und wenn Fritz Bauch immer so bequem ist, dann lohnt es sich verschluckt zu werden.

Wer sich von den Puppenlampen nicht abschrecken lässt, wird in der Hasenschaukel mit viel sympathischer Indie-Live-Musik belohnt. Mehrmals die Woche kehren hier Singer-Songwriter und kleine Bands ein. Die Kosten? Das was man geben möchte. Die Cobra Bar lockt Rocker und Punk-Rocker auf ihre kleine Tanzfläche. Fans der 50er Jahre sind im schmalen 20 Flight Rock herzlich willkommen. Zur scharfen Ecke  gehen Touristen und einige ältere Stammgäste, denn die Preise sind alles andere als scharf, aber das Ambiente ist äußerst urig, maritim und angenehm. Die „scharfe“ Straße liegt aber gleich um die Kurve. Das Golem“ beheimatet Abends eine Bar und des Nachts noch andere Geheimnisse. “ Es ist „ein Ort des gepflegten Besäufnisses und des Gesprächs“, hier trifft sich Hamburger Szene und Kultur. Außerdem hat es sehr sehr gute Cocktails, die ihren Preis wirklich wert sind.

Super: Meine zwei liebsten Trinkräume

Zwei meiner liebsten Kneipen sind optisch relativ unspektakulär. Zum einenDie Muttermit den charmantesten Klo-Schildern ever:  „Für Töchter & Söhne“, die der Prinz ( ein Hamburger Stadtmagazin) recht treffend beschreibt:

„Schanzentradition, die erste: Wer noch nie in der „Mutter“ war, hat zwischen Reeperbahn und Max- Brauer-Allee noch nicht alles gesehen. Nicht, dass es in der Souterrain-Kneipe besonders aufregend zugehen würde. Nein, hier trinken auch nur Langzeitstudenten, Indiemusiker und Touristen. Hier sind die Frisuren auch nicht verstrubbelter als um die nächste Ecke. Aber es ist die „Mutter“, verdammt! Wer das nicht versteht, war noch nicht da.“

Zum anderen der Sorgenbrecher, einem schmalem Schlauch mit guter Musik, Pistazienautomat und Flipper. Bei meiner ersten Begegnung mit dieser Kneipe versank ich bis morgens mit meinem Arbeitskumpel am Tresen. Hier kann man gemütlich schnacken oder einfach der Musik lauschen. Eine der wenigen Kneipe auf dem Hamburger Berg, die meist nicht so überfüllt wie der Rest ist, auch Stammgäste hat und selten Touristen bewirtet. Mit meinen jungen 23 Jahren bin ich meist die jüngste im Laden. Die „Masse“ liegt in den 30ern. Eine kleine Anekdote verbinde ich mit meiner ersten Nacht im Sorgenbrecher: Ich sitze auf einem Bar-Hocker am Tresen, drehe mich nach links und werde mit dem freudigen Ausruf: „Ein Engel!“ überrascht. Ein nettes, unverfängliches Gespräch folgte. Eine Seltenheit auf dem Hamburger Berg. Diesen Kerl sehe ich jedes Mal, wenn ich ihn den Sorgenbrecher einkehre. Mal sitzt er schmunzelnd in der Ecke, ein anderes Mal macht er den hinteren Teil der Bar zur Tanzfläche. Ein possierliches Kerlchen, das Paul Kalkbrenner optisch ähnelt.

Hans-Albers-Platz: Vier Irish- american -Pubs

Vergangenes Wochenende nutzten eine Freundin und ich mal wieder die Gunst des Hamburger Kneipenquartetts und lösten einige Gutscheine ein. The Academy, Molly Malone und Draft House geben sich mit ihrem gemeinsamen Innenhof die Klinke in die Hand. Das Murphy’s liegt 100 m um die Ecke. Bei allen vier Pubs gibt es teils täglich, teils wochenends Live-Musik. Am besagten Tag war im Murphy’s „Esther“, die sich als Mann entpuppte, im Molly Malone eine Band, dessen Frontsänger dem Metallica Sänger ähnelte und im Draft House rockte ein rothaariger Jack Black das „Etablissement“. In allen vier Läden gibt es eine relativ große Bierauswahl die bis zum Cider reicht. Murphy’s, Guiness, Becks und Co. werden hauptsächlich von englisch- und deutschsprachigen Touristen herunter gegossen. Ein bunter Trupp, der noch etwas anders ist, als der Ballermann-Tourist im La Paloma. Von jung bis alt, Rocker und Cowboy-Fans, bis hin zu den jungen, besoffenen britischen Touristen,  sind etwaige Personengruppen in diesen vier Läden anzutreffen. Bierpreise haben natürlich Hans-Albers-Platz-Niveau, aber für einen Abend kann ein Abstecher in diese Pubs sehr viel Spaß bringen, wenn man sich darauf einlassen kann.

Hier das passende Lied zum Ganzen von Jan Delay und Udo Lindenberg: Reeperbahn – „du alte Gansterbraut!“

Weitere Bars und Kneipen in Hamburg

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maedchenfuerallefaelle

Online-Redakteurin & Digitales bei selbstständig
(28, Mensch, beruflich digital unterwegs)
Seit 2012 schreibe ich hobbymäßig dieses Blog über Hamburg mit Tipps zu Restaurants, Bistros, Cafès, Läden, Clubs und mehr. Ich schreibe über das was mir begegnet und wo mein Leben mich so hintreibt. Nicht mehr, nicht weniger. Ohne Ziel.
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