Keine Bleibe: Wohnungsnot in Hamburg

Jedes Jahr auf’s Neue: Wenn das Wintersemester startet, beginnt auch der Kampf um ein Dach über dem Kopf. Turnhallen werden in Bettenlager umfunktioniert und Immobilienseiten im Internet werden mit Gesuchen von WG-Suchenden überschüttet. Glück hat der, der Geld oder Beziehungen hat. Mittlerweile steigen die Zahlen der Hausbesetzungen und die Zahl der Demonstranten – die Wohnungssituation in Hamburg wird unzumutbar und vor allem unbezahlbar.

Im Schnitt kostet eine Wohnung in Hamburg 11 bis 12 Euro pro Quadratmeter. Dies bedeutet, dass ein kleines Zimmer mit 15 Quadratmeter mit dazu gehöriger WG-Küche und Bad bereits stolze 350 bis 400 Euro pro WG-Kopf kosten kann. Die Gründe: Leerstehende Immobilien werden wegen Mietpreis-Spekulationen nicht auf den Markt gebracht. Die EU-Krise sorgt dafür, dass immer mehr Eigentum verkauft wird. Weniger soziale Gedanken, dafür mehr finanzielle Gier.

Auch ich gehörte letztes Jahr im Oktober zu den Suchenden. Ich brauchte vier Monate bis ich für mich die passende Bleibe gefunden hatte. Lieber wollte ich noch einen Monat länger in einer Zwischenmiete leben, als in eine WG zu ziehen, die mir von den Mitbewohnern nicht zusagt – ein hoher Anspruch bei der Wohnungsknappheit.

Meine erstes Zimmer zur Zwischenmiete musste ich mir nach meiner Thailand-Reise innerhalb von einer Woche besorgen. Ich hatte Glück! Per Ferndiagnose wurde mir ein Zimmer in Altona-Nord versprochen. Und ich hatte ein zweites Mal Glück: Es war keine Bruchbude, sondern ein schön eingerichtetes 15 Quadratmeter Zimmer für 350 Euro – leider muss man dies schon als Schnäppchen bezeichnen. Mein damaliger Verdienst als Praktikantin deckte die Miete und das monatliche HVV-Ticket, den Rest finanzierte ich aus Erspartem.

Zwei Tage bevor ich diese Zwischenmiete verlassen musste, hatte ich noch kein Zimmer gefunden. Meine neuen Arbeitskolleginnen und -kollegen kannte mich erst vier Wochen und boten mir ihre Sofas zum Übernachten an. Nach Feierabend besichtigte ich zwei bis drei WGs – kam gegen 23 Uhr nach Hause und ging um 9 Uhr wieder zu meiner Praktikumsstelle. Einen Tag vor meinem Auszug erhielt ich die Zusage für eine dreimonatige Zwischenmiete in der Nähe zum Dammtor: 20 Quadratmeter, kahler eingerichtet, für 380 Euro – dazu gab es eine super 7er-WG, mit der ich eine tolle Zeit verbringen durfte. Ab Dezember war ich dann wieder akut auf WG-Suche – das Spiel begann erneut.

Heute lebe ich in bester, lauter Lage mitten auf dem Kiez in einer 3er WG, zahle 372 Euro für 15 Quadratmeter – habe dazu aber glücklicherweise ein WG-Wohnzimmer, eine Badewanne und einen Balkon. Ich suchte vier Monate… Vorlegen musste ich natürlich eine Bürgschaft, ohne die kriegt man noch nicht einmal ein WG-Zimmer. Völlig unabhängig davon, dass ich meine Miete bereits in den letzten vier Jahren immer aus eigener Tasche gezahlt habe. 

Nur ein Bild von Tausenden.

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maedchenfuerallefaelle

Online-Redakteurin & Digitales bei selbstständig
(29, Mensch, beruflich digital unterwegs)
Seit 2012 schreibe ich hobbymäßig dieses Blog über Hamburg mit Tipps zu Restaurants, Bistros, Cafès, Läden, Clubs und mehr. Ich schreibe über das was mir begegnet und wo mein Leben mich hintreibt. Nicht mehr, nicht weniger. Ohne Ziel.
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4 Kommentare

  1. Unterstützt doch endlich mal die hiesigen Mietervereine!

    Macht dem Hamburger Senat Feuer unter dem Hintern, damit diese unverantwortlich hohen Mietpreissteigerungen endlich aufhören, schreibt eine Petition an den Bundestag, schliesst euch mit anderen zusammen.

    Wohnen muss bezahlbar sein!

    Bundesweit fehlen viele hunderttausende von bezahlbaren Mietwohnungen. Vielerorts explodieren die Mietpreise, immer mehr Menschen finden keine bezahlbare Bleibe.

    Bund und Länder unternehmen nichts gegen diesen Missstand.

    Fordern Sie Bauminister Ramsauer und die Ministerpräsident/innen zum Handeln auf!: https://www.campact.de/mieten/appell/teilnehmen/

    Bitte mitmachen! Danke schön!

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