Was verbirgt sich hinter der Ökotrophologie?

„Ich bin studierte Ökotrophologin.“ „Was?“ „Ökotrophologin!“ „Was?“ „Haus- und Ernährungswissenschaftlerin.“ „Achso, gesunde Ernährung und so ne`n Krams, ne.“ „Jo, unter anderem.“ „Wieso, was denn noch?“ „Chemie, Physik, BWL/VWL, Marketing, Biologie, Qualitätssicherung, Hauswirtschaft, Bildung, Pädagogik, Soziale Arbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ „Ach was. Und was macht man dann damit?“ „Vieles.“ 

Ehemals als studierte Hausfrau verhöhnt, treten Ökotrophologen/Innen heute in vielen Branchen auf. 

Seit Beginn der 60er Jahre wird der Studiengang der Ökotrophologie an deutschen Hochschulen angeboten. Dieser unterstützte zunächst den gesellschaftlichen Wandel vom Dienstmädchentum zur haushaltsführenden Kraft durch ausgebildete und studierte Kräfte. Ende des Zweiten Weltkriegs bildeten sich gerade im hauswirtschaftlichen Bereich neue gesellschaftliche Formen, die die tüchtige Hausfrau in den Vordergrund stellten. Im Zug der Emanzipation veränderte sich das Bild der Frau von der Hausfrau zu emanzipierten, arbeitendnehmenden Frau. Doch das Studium der Ökotrophologie ist weit mehr als nur das Klischee der „studierten Hausfrau“.

Die Ökotrophologie enthält fünf Wissenschaftsbereiche

Neben der Hauswirtschaftslehre und der Ernährungswissenschaft sind auch Wirtschafts-, Sozial- und Naturwissenschaften in diesem Studiengang vertreten. Die Module des Studiums erstrecken sich von der Volkswirtschaftslehre über die Ernährungslehre und Pädagogik bis hin in zu  naturwissenschaftlichen Module wie Chemie und Humanbiologie. Doch auch Modulen wie Marketing oder Kommunikation gehören zum Grundrepertoire des Studiengangs. Für diese Fächerkombination sollten vielseitige Interessen und ein gutes sozial- und naturwissenschaftliches Verständnis beim Studieninteressierten vorliegen.

Praktische Erfahrungen sind für Ökotrophologen wichtig, um eigene Schwerpunkte zu wählen und Team-Erfahrungen zu sammeln. Gerade Kommunikation mit den Kollegen hinsichtlich menschlicher Erfahrungen und dem eigenen Konfliktmanagement sind für das spätere Arbeitsleben eines Ökotrophologen entscheidend. Zum Beispiel für hauswirtschaftliche Bereiche wie  Altenpflege oder die Arbeit in Großküchen. Denn nur wer weiß, wie es „unten“ abgehen kann, kann  auch ein guter Chef sein. Deshalb setzen einige Hochschulen für das Studium der Ökotrophologie auch hauswirtschaftliche Praktika voraus.

Arbeitsfelder: hier können Ökotrophologen/ Innen tätig sein

Das breite Spektrum der Ökotrophologie ermöglicht es den StudentInnen, in vielen Wirtschaftszweigen eine Anstellung zu finden. Grundlegende Tätigkeiten finden sich im Bildungs- und Beratungsbereich, sowie im Qualitätsmanagement des Lebensmittel-, oder Dienstleistungssektors. Aber auch Marketing im Bereich der Lebensmittelproduktion oder das Management im hauswirtschaftlichen Bereich gehören zu den Arbeitsbereichen der Ökotrophologie. Ebenfalls nicht zu verachten ist der „Zweig“ der redaktionellen Arbeit, die eine spannende Alternative zur Lebensmittelindustrie und zur Hauswirtschaft darstellen kann.

Ein Leitsatz der Studierenden lautet: „Wir können quasi alles, aber nichts speziell.“ Dieser Satz trifft bei diesem Studium voll und ganz zu, denn erst durch einen anschließenden Master kann man einen wirklichen Schwerpunkt legen. Eine Ausnahme bildet der redaktionelle Bereich. Bei diesem sind besonders praktische Erfahrungen, beispielsweise in der Form von redaktionelle Praktika wichtig und von Vorteil.

Die Masterstudiengänge zum Bachelor of Science Ökotrophologie

Auch das Studium der Ökotrophologie musste sich dem Bachelor- und Mastersystem beugen. Die Anpassung der Lehrinhalte von der Diplom- auf die Bachelordauer von nur sechs Semestern, wurde aber an den meisten Hochschulen gut durchgeführt.

Als Masterstudiengänge gibt es derzeit Ernährungsökonomie (Uni Gießen), Ernährungswissenschaften (Uni Gießen), Food Science (HAW HAmburg) und Haushalts- und Dienstleistungsmanagement (FH Münster). Es sind aber auch Masterstudiengänge im Bereich des Umweltmanagements möglich.

Die meisten Masterstudiengänge sind aufgrund der hohen Nachfrage durch den Numerus Clausus (NC) und eine Aufnahmekapazität beschränkt. Das bedeutet aber auch, dass bei Weitem nicht jeder Bachelor-Absolvent einen Masterstudiengang absolvieren kann.

Mögliche Studienorte der Ökotrophologie

In Deutschland kann man Ökotrophologie nur an drei Universitäten studieren: Gießen, München und in Kiel. Weiterhin gibt es bundesweit acht Fachhochschulen (FH) und Hochschulen (HS). Diese sind in Osnabrück, Münster, Hohenheim, Bernburg, Mönchengladbach, Hamburg, Fulda und Sigmaringen angesiedelt. Bonn bietet zudem den Studiengang Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaften an der Universität an. Außerdem wird der Studiengang „Ernährungswissenschaften“ noch in weiteren Städten angeboten. U.a. in Jena.

Zu beachten ist, dass jede Uni, FH oder HS innerhalb des Faches Ökotrophologie unterschiedliche Schwerpunkte legt. So legt die Hochschule Osnabrück ihren Schwerpunkt beispielsweise auf Bildung und Beratung. Die Uni Kiel vermehrt auf Naturwissenschaften.

Hinweis: Das Studium der Ökotrophologie ist zwar abwechslungsreich, dennoch grundlegendes Interesse für ernährungswissenschaftliche und dienstleistungsorientierte Hintergründe vorhanden sein, um das Studium erfolgreich abzuschließen.

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maedchenfuerallefaelle

Online-Redakteurin & Digitales bei selbstständig
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Seit 2012 schreibe ich hobbymäßig dieses Blog über Hamburg mit Tipps zu Restaurants, Bistros, Cafès, Läden, Clubs und mehr. Ich schreibe über das was mir begegnet und wo mein Leben mich so hintreibt. Nicht mehr, nicht weniger. Ohne Ziel.
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