Schilleroper auf St. Pauli 2 (c) Rabea Ganz

Die Schilleroper auf St. Pauli

Rund und vernachlässigt: Die auf St. Pauli einzigartige Architektur der Schilleroper, eine sogenannte Rotunde, lässt erahnen, dass sich hier einst Fulminantes zutrug. Doch was erzählt dieser Ort, der heute heruntergekommen ist, für eine Geschichte?

Vom Zirkus zum Theater

Was muss das für ein Abend gewesen sein, als im damaligen dänischen Altona das runde mit Wellblech verkleidete Gebäude mit mehr als 1000 Sitzplätzen als Manege für den Circus Busch eröffnet wurde? Artisten flogen über die Bühne und wilde Tiere ließen das Publikum erzittern. Zirkus hatte damals Hochkonjunktur. Damals, das war 1891, dem Geburtsjahr des legendären Schauspielers Hans Albers, der hier später selbst in Theaterstücken mitwirken würde.

Doch bereits acht Jahre nach seinem Bezug, 1899, verließ der Zirkus Busch seine Räumlichkeiten gen Reeperbahn und zog an den heutigen Zirkusweg. Das Gebäude war erstmals sich selbst überlassen, bis sich 1904 ein Architekt des Gebäudes annahm und es zu einer Theaterstätte umbaute. Damals erhielt das Gebäude den Namen „Schillertheater“ zu ehren des Todestages des berühmten Dichters. Überdies war das erste dort nach dem Umbau inszenierte Stück Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“. Im Schillertheater wurden sowohl Stücke in hochdeutscher, als auch plattdeutscher Sprache aufgeführt.

In den 1920er Jahren wurden politisch motivierte Opern von Berthold Brecht und Kurt Weil inszeniert. Ende der 20er Jahre stand das Theater vor seinem finanziellen Aus und wurde durch finanzielle Unterstützung des Altonaer Magistrats gerettet. Das Gebäude wurde erneut umgebaut und hieß fortan „Oper im Schiller-Theater“.

Die Schilleroper im zweiten Weltkrieg

In den 1930er Jahren erhielt das Theater abermals einen neuen Namen und hieß fortan Schiller-Oper. Das Programm passte sich den politischen Verhältnissen an und bot unter anderem Inszenierungen aus der Feder des NS-Führungsregimes. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der Theaterbetrieb  eingestellt, da das Gebäude über keinen Luftschutzkeller verfügte. Das Gebäude selbst wurde als Gefängnis für Kriegsgefangene, später, nach Kriegsende, als Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose genutzt.

Schilleroper auf St. Pauli (c) Rabea Ganz

Die Nutzung nach 1950

Anfang der 50er Jahre zogen wieder Artisten die erhaltenen Räume der Rotunde ein. So wurde sie zeitweilig von Motorradartisten bespielt. 1952 wurde das Gebäude zwangsversteigert und bis 1963 als Hotel genutzt. Anschließend wurden Arbeitsmigranten im ehemaligen Theater einquartiert, welche unter anderem für Blohm + Voss tätig waren. Es folgten Fälle von Brandstiftung, bevor die Rotunde maßgeblich als Lagerhalle genutzt wurde.

Ende der 60er Jahre wurde von den Inhaber Pläne zur neuen Nutzung des Gebäudes vorgelegt. Auch spielte dabei die Rückkehr des Zirkus Busch-Roland eine Rolle, die nicht erfolgte. 1978 sollte das einstige Zirkusgebäude wieder seine ursprüngliche Funktion bekommen und als Winterquartier des Zirkus Barum genutzt werden. Auch eine erneute Verwendung als Theater wurde angedacht, als das Deutsche Schauspielhaus für eine Saison ein Ausweichquartier suchte, die Pläne wurden jedoch vom Bezirksamt Hamburg-Mitte abgelehnt.

In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde viel überlegt, angedacht und auch geplant, aber nichts wollte sich so recht um- und durchsetzen lassen. Flüchtlinge wurden zeitweilig in dem damals bereits stark heruntergekommen Gebäude untergebracht. Es wurde geklagt, enteignet, verkauft – aber nichts führte dazu, dieses Gebäude langfristig wieder zum Leben zu erwecken. Auch heute ist das Gebäude noch eine Ruine.

Die Zukunft der Schilleroper

Vor mehreren Jahren gründete sich auf St. Pauli eine Initiative zum Erhalt des Gebäudes. Die Schiller-Oper-Initiative trifft sich regelmäßig und initiiert diverse Veranstaltungen, die auf das ehemalige Theater aufmerksam machen. Wer Interesse hat mitzuwirken, findet auf der Facebook-Seite der Initiative Kontaktmöglichkeiten und Veranstaltungshinweise: Schiller-Oper-Initiative

Aktuell ist die Schilleroper in der Denkmalliste der Kulturbehörde Hamburg aufgeführt (Stand: 01.09.2016)

Pressespiegel über die Schilleroper

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maedchenfuerallefaelle

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Seit 2012 schreibe ich hobbymäßig dieses Blog über Hamburg mit Tipps zu Restaurants, Bistros, Cafès, Läden, Clubs und mehr. Ich schreibe über das was mir begegnet und wo mein Leben mich so hintreibt. Nicht mehr, nicht weniger. Ohne Ziel.
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