Wilhelmsburg – ein Stadtteil in Hamburgs Süden

Ein Hamburger Stadtteil im Auf- und Umbruch. Eine Sammlung.

Wilhelmsburg: Deutschlands größte Flussinsel

Wilhelmsburg gehört flächenmäßig mit rund 35 Quadratkilometern zu den Größten der Hamburger Stadtteile, darüber hinaus ist die Elbinsel die größte Flussinsel Deutschlands. Im Norden von der Norder- im Süden von der Süderelbe umflossen, präsentiert sich der Stadtteil im Zwiespalt zwischen Natur-, Industrie und Dorfidylle. Wilhelmsburg unterteilt sich in das Reiherstiegsviertel im Nord-Westen, Alt-Wilhelmsburg in der Mitte, Georgswerder im Osten und Kirchdorf im Süden der Insel. Heute leben rund 54.000 Menschen im Stadtteil.

Reiherstieg: „Einmal um den Pudding fahren“ 

Das wohl bekannteste öffentliche Nahverkehrsmittel Wilhelmsburgs ist die „Wilde 13“. Die Buslinie 13 startet am S-Bahnhof-Veddel und fährt einmal quer über die Insel bis nach Kirchdorf (Süd). Zu Stoßzeiten prall gefüllt, düsen die Busfahrer schon mal mit Schwung durch die Kurven und mischen das sowieso schon bunte Fahrgästearrangement nochmals durcheinander.

Die Fähre ist für die Reiherstiegler ebenfalls ein beliebtes Verkehrsmittel, um von der Ernst-August-Schleuse in nur 15 Minuten an den Landungsbrücken zu sein. Eine Runde entspanntes Wellenschunkeln am Morgen und eine frische Brise im Gesicht lässt auch den letzten Morgenmuffel munterer werden.

 Die heutige S-Bahn fährt einmal mittig durch Wilhelmsburg und hat zwei Stationen „Veddel“ am nördlichen Inselende und „Wilhelmsburg“ auf der Inselmitte. Was viele nicht wissen, ist, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits eine S-Bahn mitten durch das Reiherstiegviertel fuhr. Zunächst von Pferden gezogen, wechselte die Bahn 1902 zur die elektrische Variante. Dort wo 2016 der Kreisel fertiggestellt wurde, bog die S-Bahn früher von der Fähr- in die Veringstraße und umgekehrt. Angelegt war diese Schnittstelle als Kreisel mit einem Kiosk mittenauf, dessen Dach vermutlich wie ein umgestürzter Pudding aussah. Deshalb nutzten die Wilhelmsburg bei dieser Verkehrsinsel die Redewendung „Einmal um den Pudding fahren“. 

Eine andere verkehrsbedingte Besonderheit ist eine Fahrradstraße, die quer über die Insel entlang der Wilhelmsburger Reichstraße bis ins Reiherstiegviertel führt. Hier haben Fahrräder Vorfahrt und können ungebremst in die Pedale treten.

 Woher hat der Vogelhüttendeich seinen Namen?
Einst lag die Straße auf einem Deich, daher der zweite Teil des Straßennamens. Soweit so einfach. Doch der Erste? Dieser kommt vom „Vögel fangen“, einer Tätigkeit mit der die Inselbewohner bis ins 19. Jahrhundert unter anderem ihr Einkommen bestritten.

Kulinarische Tipps in Wilhelmsburg

In Wilhelmsburg sind einige kleine kulinarische Kleinode zu finden. Über gemütliche Cafès, zum Teil szenige Restaurants bis zur waschechten Imbissbude:

Zu den neueren Errungenschaften zählen Schwester Kumpir in dem es für einen Fünfer einen Kumpir (mit Allerlei gefüllte Ofenklartoffel) oder auch belgische Waffeln zu schmausen gibt, Williamsburger, der erste Szene-Burgerladen im Reiherstiegviertel, das asiatische SuChi mit gutem Sushi und das vietnamesische Restaurant Wat Dat Pho. Auch die Pizzeria La Patina am nördlichen Ende der Veringstraße kann mit guter Kulinarik aufwarten und reicht klassisch Antipasti, Salate, Pizza und Nudelgerichte.

Älter eingesessen sind der klassische Italiener Don Mattheo, das Flutlicht mit einer gemischten Küche und Cocktails, der Falafelladen „Falafel Al Sham (Me like Falafel)“ mit grandiosen Auberginen oder auch die durch ein Ladenfenster verkaufende Kismet Bäckerei. Wer spät abends nach Hause kommt, kann in der Pause auf dem Stübenplatz noch alles rund um Döner, Pommes und Bakklava einpacken.

Deichdiele (c) Rabea Ganz
Auszeit vor der Deichdiele.

Wem es nachmittags nach einem guten Kaffee gelüstet, der kann einen Abstecher in die Kaffeeklappe, die Kaffeeliebe, das Cafè Pause oder auch in die Deichdiele machen. Wer es international mag, kann für einen Galao und Natas beim Portugiesen Seu Café einkehren. Wer gerne in die Ferne schweift kann sich auch eine Auszeit auf dem Wilhelmsburger Energiebunker nehmen: Das Cafè vju bietet auf der Aussichtsplattform einen wunderbaren Blick über die Insel und serviert dazu kleine Speisen, Kuchen und Waffeln.

Sommers versorgt der Eisdealer die Wilhelmsburger mit einer Erfrischung, im Winter 2016 zog erstmals vorübergehend der Bioladen „Deichgrün“ in die Räumlichkeiten der Eisdiele ein. Seit März 2017 hat der Bioladen sein neues Zuhause nahe der  der S-Bahnhaltestelle „Wilhelmsburg“, im Inselparkhaus, gefunden.

Marktzeit ist in Wilhelmsburg fünfmal die Woche: Mittwochs und samstags bieten Stände Gemüse, Kleidung, Fleisch und Vieles mehr auf dem Stübenplatz feil, dienstags und freitags (sogar bis 17:30 Uhr) kann auf dem Berta-Kröger-Platz eingekauft werden, donnerstags ist Marktnachmittag am Karl-Arnold-Ring in Kirchdorf.

Wer ein wenig über den Rand der Elbinsel lugt, kann einen Abstecher zu einem beliebten Fischrestaurant machen. Die Veddeler Fischgaststätte bietet zwar nur drei Fischgerichte an, dafür aber überaus schmackhaft zubereitet. Fischfilets, Bratheringe und Fischfrikadellen wandern hier in die Magen der Hungrigen, kombiniert mit Kartoffelsalat oder Pommes und das zum schmalen Preis.

 Bier aus dem Viertel
Ganz frisch angezapft: Die Bunthaus Brauerei braut seit Herbst 2016 in Wilhelmsburg kreative Biere, die sie im Burgerladen „Williamsburger“ frisch an den Trinker bringt. Unter anderem Kreationen wie Milk Stout, belgisches Weißbier und Pale Ales. In der Flasche sollen die Biere bald bei der Brauerei selbst erhältlich sein.

Kultur & Kunst im Stadtteil

Kennt ihr den Film „Soulkitchen“? Der 2009 erschienene Spielfilm des Hamburger Regisseurs Fatih Akin wurde in Wilhelmsburg gedreht, noch heute steht das Gebäude in der Industriestraße. 

Filme gucken konnte man bis 1987 im Rialto Lichtspielhaus, das 2013 für eine Saison nochmal zum Leben erweckt wurde. Heute gibt es in Wilhelmsburg leider kein Kino mehr. Eine Alternative bieten im Sommer die mobilen Insellichtspiele.

Eine andere kulturelle Spielstätte ist im Sommer im Süden Wilhelmsburg zu finden. Auf dem Gelände bei der „Alten Schleuse“ finden diverse Festivals statt. So gehört das MS Dockville bereits seit zehn Jahren auf die Elbinsel, begleitet vom Vogelball, dem Butterland, dem Spektrum und dem künstlerisch geprägten MS Artville.

Noch ein weiteres Musikfestival lockt einmal im Jahr Musikfans in den südlichen Hamburger Stadtteil. 48h Wilhelmsburg findet teilweise an Orten statt, die sonst nicht zugänglich sind: in privaten Wohnungen, Hinterhöfen, Ateliers oder Schrebergärten. Mehr als hundert Künstler präsentieren an drei Tagen ihr musikalisches Repertoire einem interessiertem Publikum.

Im Herbst laden die Ateliertage für ein Wochenende in die künstlerische Welt der Insel ein. Mehr als 90 Künstlerinnen und Künstler öffnen dann ihre Ateliers und lassen Kunstinteressierte hinter ihre Fassade blicken. Angeregte Gespräche und spannende Einblicke lassen sich hierbei gewinnen.

Eine dauerhaft Kulturstätte ist die Honigfabrik am Veringkanal. Hier können Interessenten an Improvistationstheater teilnehmen, Poetry Slams beiwohnen oder auch Musik oder Lesungen lauschen. Zudem gehören Werkstätten zum Gelände, in denen Künstlerisches oder Praktisches in diversen Materialien hergestellt werden kann.

2016 hat sich ein neuer Verein in Willy gegründet. Der Verein für Mobile Machenschaften betreibt die Zunderbüchse und hat den Bau der „Schaluppe“ in Gang gesetzt. Auf dieser können zukünftig  interkulturelle Events einen Unterschlupf finden.

Reiherstieg: Des Nachts im Viertel

Ein Partyviertel ist Wilhelmsburg nun nicht gerade, doch in der einen oder anderen Location lässt es sich auch nach 24 Uhr verweilen: Abends sorgt zwei bis dreimal wöchentlich die Minibar Morialia für gute Drinks zu fairen Preisen und auch das Pakalolo reicht das ein oder andere Getränk über den Tresen. Das Flutlicht serviert bis Open End Cocktails. Happy Hour ist von 18 bis 22 Uhr. Täglich bis 2 Uhr hat die Deichdiele geöffnet und reicht an der Bar gute Drinks. Gelegentlich performen hier Liveacts und DJs drehen den Plattenteller.

Das TurTur beispielsweise lädt von Mai bis Oktober zum Pizza essen ein, im Herbst und Winter verwandelt sich das kleine Gebäude am Veringkanal in einen Club. Elektronisches steht im Vordergrund, begleitet von Swing, Punk und auch mal Abseitigem.

Im Sommer finden auf der Elbinsel an verschiedenen Locations Open Airs statt. 

Einzelhandel in Wilhelmsburg

Damit auch zukünftig die Einzelhandelläden auf der Insel erhalten bleiben, ist es wichtig sie regelmäßig zu nutzen:

Die Buchhandlung Lüdemann gehört zu den Urgesteinen im Viertel. Seit 1983 versorgt sie die Inselbewohner gewissenhaft mit neuem Lesematerial wie Romanen, Comics oder Kinderbüchern. Ist das gewünschte Buch nicht vorrätig, wird es bestellt. 

Wer metallenen Kleinkram benötigt ist bei Eisen Jens gut aufgehoben. Von der einzel kaufbaren Schraube bis zum Teekessel wird hier alles verkauft, was in die Segmente Eisenwaren, Gartengeräte, Farben und Schließanlagen fällt. 

Der Fahrradladen Velo 54 bietet neue Fahrräder zum Kauf, vom Sport- bis zum Kindertransportrad ist alles mit dabei. Deinen alten Drahtesel versorgt die Crew in der  zugehörigen Fahrradwerkstatt.

Mit veganen Lebensmitteln versorgt das Black Ferry das Viertel, überdies bietet der kleine Laden in der Fährstraße vegane Kleidung und auch eine bunte Gemüseauswahl an.

Grünanlagen auf der Insel

Wer zum Entspannen ein wenig Natur um die Nase braucht, hat auf der Elbinsel einige Möglichkeiten: Beliebter Treffpunkt von Studenten ist der Deich vor der Harburger Chaussee. Hier wird bei Sonne gechillt, getrunken und auch immer mal wieder spontan zu Musik getanzt. 

Einen Rückzugsort bietet der große Inselpark, der im Rahmen der IGS angelegt wurde. Ob zum Slacklinen, Picknicken oder Flanieren – ein Treffpunkt für jung und alt.

Zu Fuß das Reiherstiegviertel längs: Entlang des Veringkanals befindet sich ein ein Fußweg, der sich über Stege und entlang von Weiden schlängelt. Er führt vom nördlichen ins südliche Reiherstiegviertel und lässt am Wasser einen Moment pausieren.

Stand: 26. Februar 2017