Der Alte Elbtunnel ist, trotz seiner Einmaligkeit, ein offizieller Verkehrsweg um als Radfahrer und Fußgänger von St. Pauli über Steinwerder direkt nach Wilhelmsburg zu gelangen. Warum sollte also ein offizieller Verkehrsweg für Radfahrer zur “bezahlten Straße” werden? Außerdem: Was können die Hamburger Bürger dafür, wenn eine Baustelle mal wieder falsch kalkuliert wurde?
Nach Medienberichten überlegt die Hafenverwaltung HPA, ob zukünftig eine Ausweitung der Nutzungsgebühren für den Alten Elbtunnel erfolgen soll. Derzeit zahlen Autos und Motorräder zwei Euro pro Durchfahrt. Zukünftig könnte diese Gebühr auch für Fußgänger und Radfahrer erhoben werden. Grund für die Überlegungen seien die gestiegenen Kosten für die Sanierung des Alten Elbtunnels – die mittlerweile bei rund 100 Millionen Euro liegen (geplant waren zirka 17 Millionen).
Die zugehörige Drucksache:
Auch jenseits des Alten Elbtunnels leben Hamburger
Auch jenseits der Elbe leben, trotz das wir es Bayern nennen, Hamburger Bürger. Einige von ihnen passieren täglich mit dem Rad den Alten Elbtunnel, um zur Arbeit zu gelangen. Sollten diese auch eine “Maut” zahlen? Meiner Meinung nach: Nein. Denn dies wäre eine zusätzliche finanzielle Belastung, die zum einen den sportiven Willen der Bürger entgegenwirkt Fahrrad zu fahren und zum anderen für Einige auf der anderen Seite der Elbe auch finanziell nicht tragbar wäre. Auch wenn die Maut “nur” 1 Euro pro Durchfahrt wären, kämen für Hin- und Rückweg im Monat rund 50 Euro pro regelmäßigem Radfahrer zusammen. Dann kann auch gleich der HVV gewählt werden.
Eine Maut nur für Touristen?
Auch dazu sage ich “Nein” und führe als Beispiel London ins Feld: Viele Museen und Einrichtungen in der britischen Hauptstadt können kostenlos besichtigt werden. Dies eröffnet allen Menschen den Zugang zu kulturellem Gut. Der Alte Elbtunnel hat als Industrie-Denkmal ebenfalls Museumscharakter und ist zudem ein öffentlicher Verkehrsweg.
Ginge es bei der ganzen Aktion um die Regulierung des Verkehrs, wäre die Maut für Fußgänger und Radfahrer sicherlich eine geeignete Maßnahme. Doch hier liegt eine Fehlkalkulation vor, die die Bürger mit der Erhebung der Radfahrer-Maut ausbaden würden.
Hier ein weiterer Artikel von mir zum Thema bei Elbmelancholie:
Fußgänger- und Radfahrermaut im alten Elbtunnel?
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Man sollte mal lieber der Tatsache auf den Grund gehen, warum bei öffentlichen Bauten die Kosten während der Ausführung immer um 357% bis 976% steigen… *seufz*
Eine Vermutung: Politiker würden die Genehmigung für Bauten, die von vorne herein einen sehr hohen Betrag kosten nur ungerne geben. Je niedriger der geplante Betrag, umso leichter die Genehmigung – wenn es später dann doch mehr kostet, kann der Politiker dafür ja nichts.